Gegen faschistische Angriffe – Solidarität heißt, zusammenzustehen

Nach Angaben der linken Gruppe „Rotes Erfurt“ wurde in der vergangenen Woche in Erfurt ein junger Mensch auf dem Heimweg Opfer eines brutalen faschistischen Angriffs. Am 17. April wurde er am Urbicher Kreuz, nach dem Ausstieg aus der Straßenbahn, unvermittelt von zwei Faschisten attackiert. Einer der Angreifer schlug ihm mit einem Schlagring direkt ins Gesicht, dazu kamen Beleidigungen und Drohungen, dass es „beim nächsten Mal schlimmer werde“. Der junge Antifaschist erlitt bei diesem feigen Angriff mehrere Frakturen im Gesicht und ist nach Angaben der Gruppe aktuell auf einem Auge erblindet.

Dieser Angriff ist erschütternd. Und er ist kein Einzelfall. Er ist Ausdruck einer rechten Normalisierung, in der Faschisten sich ermutigt fühlen, Menschen auf offener Straße anzugreifen, zu bedrohen und einzuschüchtern. Umso wichtiger ist es, darauf mit einer klaren Botschaft zu antworten.

Unsere Solidarität gilt dem Betroffenen dieses Angriffs.

Sie gilt einem Menschen, der von Faschos angegriffen wurde, weil diese glauben, Angst verbreiten und politische Gegner*innen verletzen zu können. Es muss klar sein: Ein faschistischer Angriff trifft niemals nur eine einzelne Person. Er ist ein Angriff auf uns alle.

Gerade in Zeiten, in denen linke, antifaschistische und emanzipatorische Zusammenhänge an vielen Stellen Differenzen austragen, darf eines nicht verloren gehen: die praktische Solidarität gegen rechts. Faschos fragen uns nicht vorher, wie wir uns im Nahostkonflikt positionieren. Sie fragen uns nicht vorher, welche theoretischen oder praktischen Politikverständnisse wir haben. Sie greifen uns an, weil sie einschüchtern, verletzen und Angst verbreiten wollen. Weil sie linke und widerständige Menschen brechen und alles beseitigen wollen, was nicht in ihr beschränktes Weltbild passt.

Deshalb muss auch unsere Antwort größer sein als die Grenzen einzelner Spektren, Gruppen oder Szenen. Wenn Faschos angreifen, braucht es Solidarität über politische Lager hinweg. Nicht, weil Differenzen plötzlich verschwinden, sondern weil es in solchen Momenten darum geht, sich gegenseitig vor rechter Gewalt, Einschüchterung und Bedrohung zu schützen. Wer von Nazis angegriffen wird, darf danach nicht erst gefragt werden, ob er oder sie in allen Fragen „richtig“ steht. Antifaschistische Solidarität ist keine Belohnung für Übereinstimmung, sondern eine notwendige Praxis des gemeinsamen Widerstands.

Der Angriff war gezielt. Der Betroffene wurde erkannt, sein Name wurde gerufen, dann folgte der Angriff von hinten. Danach kamen Bedrohungen und Beschimpfungen als „Zecke“. Das ist die Handschrift faschistischer Gewalt: feige, organisiert, einschüchternd. Auch wird deutlich, dass die Täter aus organisierten rechten Zusammenhängen kommen und Teil einer Bedrohungslage sind, die längst nicht nur anderswo existiert, sondern auch hier in Erfurt.

Umso notwendiger ist es, dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen.

Solidarität heißt, Betroffene ernst zu nehmen. Solidarität heißt, hinzusehen. Solidarität heißt, gemeinsam zu handeln. Ob auf der Straße, in unseren Strukturen, im Alltag oder in der konkreten Unterstützung nach einem Angriff: Unsere Antwort auf rechte Gewalt muss Solidarität sein.

An den Betroffenen dieses Angriffs:

Wir können dir mit diesen Worten die Folgen dieses Angriffs nicht abnehmen. Aber wir wollen trotzdem sagen, dass wir hoffen, dass du mit dem Erlebten nicht allein bleibst, dass Menschen an deiner Seite sind und dass du die Unterstützung bekommst, die du jetzt brauchst. Was dir angetan wurde, geht uns alle an.

An alle in Erfurt und darüber hinaus:

Lasst uns solche Angriffe nicht nur zur Kenntnis nehmen. Lasst uns darauf reagieren. Lasst uns füreinander einstehen, vielleicht auch gerade dort, wo wir nicht in allem einer Meinung sind. Denn der antifaschistische Grundsatz bleibt richtig und notwendig: Greift ihr eine*n an, antworten wir alle.

Solidarität mit dem Betroffenen. Solidarität gegen rechte Gewalt.

Kein Vergeben, kein Vergessen. Alerta! ✊

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