Gegen faschistische Angriffe – Solidarität heißt, zusammenzustehen

Nach Angaben der linken Gruppe „Rotes Erfurt“ wurde in der vergangenen Woche in Erfurt ein junger Mensch auf dem Heimweg Opfer eines brutalen faschistischen Angriffs. Am 17. April wurde er am Urbicher Kreuz, nach dem Ausstieg aus der Straßenbahn, unvermittelt von zwei Faschisten attackiert. Einer der Angreifer schlug ihm mit einem Schlagring direkt ins Gesicht, dazu kamen Beleidigungen und Drohungen, dass es „beim nächsten Mal schlimmer werde“. Der junge Antifaschist erlitt bei diesem feigen Angriff mehrere Frakturen im Gesicht und ist nach Angaben der Gruppe aktuell auf einem Auge erblindet.

Dieser Angriff ist erschütternd. Und er ist kein Einzelfall. Er ist Ausdruck einer rechten Normalisierung, in der Faschisten sich ermutigt fühlen, Menschen auf offener Straße anzugreifen, zu bedrohen und einzuschüchtern. Umso wichtiger ist es, darauf mit einer klaren Botschaft zu antworten.

Unsere Solidarität gilt dem Betroffenen dieses Angriffs.

Sie gilt einem Menschen, der von Faschos angegriffen wurde, weil diese glauben, Angst verbreiten und politische Gegner*innen verletzen zu können. Es muss klar sein: Ein faschistischer Angriff trifft niemals nur eine einzelne Person. Er ist ein Angriff auf uns alle.

Gerade in Zeiten, in denen linke, antifaschistische und emanzipatorische Zusammenhänge an vielen Stellen Differenzen austragen, darf eines nicht verloren gehen: die praktische Solidarität gegen rechts. Faschos fragen uns nicht vorher, wie wir uns im Nahostkonflikt positionieren. Sie fragen uns nicht vorher, welche theoretischen oder praktischen Politikverständnisse wir haben. Sie greifen uns an, weil sie einschüchtern, verletzen und Angst verbreiten wollen. Weil sie linke und widerständige Menschen brechen und alles beseitigen wollen, was nicht in ihr beschränktes Weltbild passt.

Deshalb muss auch unsere Antwort größer sein als die Grenzen einzelner Spektren, Gruppen oder Szenen. Wenn Faschos angreifen, braucht es Solidarität über politische Lager hinweg. Nicht, weil Differenzen plötzlich verschwinden, sondern weil es in solchen Momenten darum geht, sich gegenseitig vor rechter Gewalt, Einschüchterung und Bedrohung zu schützen. Wer von Nazis angegriffen wird, darf danach nicht erst gefragt werden, ob er oder sie in allen Fragen „richtig“ steht. Antifaschistische Solidarität ist keine Belohnung für Übereinstimmung, sondern eine notwendige Praxis des gemeinsamen Widerstands.

Der Angriff war gezielt. Der Betroffene wurde erkannt, sein Name wurde gerufen, dann folgte der Angriff von hinten. Danach kamen Bedrohungen und Beschimpfungen als „Zecke“. Das ist die Handschrift faschistischer Gewalt: feige, organisiert, einschüchternd. Auch wird deutlich, dass die Täter aus organisierten rechten Zusammenhängen kommen und Teil einer Bedrohungslage sind, die längst nicht nur anderswo existiert, sondern auch hier in Erfurt.

Umso notwendiger ist es, dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen.

Solidarität heißt, Betroffene ernst zu nehmen. Solidarität heißt, hinzusehen. Solidarität heißt, gemeinsam zu handeln. Ob auf der Straße, in unseren Strukturen, im Alltag oder in der konkreten Unterstützung nach einem Angriff: Unsere Antwort auf rechte Gewalt muss Solidarität sein.

An den Betroffenen dieses Angriffs:

Wir können dir mit diesen Worten die Folgen dieses Angriffs nicht abnehmen. Aber wir wollen trotzdem sagen, dass wir hoffen, dass du mit dem Erlebten nicht allein bleibst, dass Menschen an deiner Seite sind und dass du die Unterstützung bekommst, die du jetzt brauchst. Was dir angetan wurde, geht uns alle an.

An alle in Erfurt und darüber hinaus:

Lasst uns solche Angriffe nicht nur zur Kenntnis nehmen. Lasst uns darauf reagieren. Lasst uns füreinander einstehen, vielleicht auch gerade dort, wo wir nicht in allem einer Meinung sind. Denn der antifaschistische Grundsatz bleibt richtig und notwendig: Greift ihr eine*n an, antworten wir alle.

Solidarität mit dem Betroffenen. Solidarität gegen rechte Gewalt.

Kein Vergeben, kein Vergessen. Alerta! ✊

Als Punk in der NVA – Wehrpflicht in der DDR – 13.03. I 19 Uhr I im veto

Die Deutsche Demokratische Republik führte 1962 die allgemeine Wehrpflicht ein. Einen zivilen Ersatzdienst gab es nicht, auf Drängen der evangelischen Kirche und im Umgang mit Wehrdienstverweigerern wurde aber der Soldatendienst ohne Waffe (die sogenannten “Bausoldaten”) eingeführt.

Als antifaschistisches Gegenmodell zur BRD präsentierte sich die DDR als Friedenstaat und somit die Armee auch als Friedensmacht. Es gab keine direkten Auslandseinsätze der NVA, diese beteiligte sich jetzt jedoch an militärischer Beratung und Ausbildung befreundeter Regierungen oder Widerstandsbewegungen. Während des Prager Frühling wurde 1968 die NVA in “erhöhte Gefechtsbereitschaft” versetzt, marschierte aber wider ausdrücklicher Bereitschaft der SED nicht in Prag mit ein, um den Prager Frühling niederzuschlagen.

Der vorzeitige Einzug in den Grundwehrdienst war auch eine Disziplinarmaßnahme, um mit nichtkonformen Jugendlichen umzugehen. Wir sprechen darüber mit einem, der als Punk in der DDR aufgewachsen ist. Er vermittelt einen Überblick zur Organisation vom Wehrpflicht und Militär in der DDR und einen Einblick dazu, was dieses System für Menschen, insbesondere solche, die sich nicht konform verhalten haben, bedeutet hat.

19.02.26, 19:00: Info- & Mobivortrag für die Demonstration: Kein Kampfsport den Faschisten – Gegen die Gladiator Fight Academy und ihre Fight Night

Fast ungestört vermittelt die „Gladiator Fight Academy“ seit Januar 2025 in Halles südlicher Innenstadt Gewaltkompetenzen an Neonazis, rechte Fußballfans und vor allem junge Männer. Auch wenn sie explizite Kurse nur für Frauen anbieten, beinhaltet die rechte Ideologie traditionelle Rollenbilder, in denen der Mann die wehrhafte Rolle einnimmt.

Am 7. März 2026 soll nun ein erstes selbstorganisiertes Kampfsportevent im „Raum Halle“ stattfinden.

Als Antifas lassen wir das nicht unkommentiert geschehen!

Kommt am 7. März 2026, 15:30 Uhr nach Halle zur Antifa-Demo + Startpunkt: Hauptbahnhof Halle

Die Linke und die Wehrpflicht

03.03. I 19 Uhr I im veto
Die Linke und die Wehrpflicht

2026 steht die Wiedereinführung der Wehrpflicht an. Für junge Menschen steht damit wieder eine Frage an, die für vor 1990 Geborene mit männlichem Geschlechtseintrag in den Ausweisdokumenten biografisch sehr relevant war: Ist man bereit, für Deutschland mit der Waffe in der Hand einzustehen?

Für Linksradikale war die Antwort lange klar: „Die Arbeiterklasse hat kein Vaterland“ (Marx/Engels), insofern gibt es keinen Grund, das Leben für den Staat zu riskieren. Aber manchmal ist die Welt komplizierter: In den 1970er-Jahren wurde bspw. diskutiert, dass revolutionäre Veränderung auch darauf beruht, die Armee auf die eigene Seite zu ziehen und deswegen auch in diesen Teil von Staatlichkeit um Kräfteverhältnisse zu ringen, also in der Armee für linke Positionen zu streiten.

Seit dem Ende der Systemkonkurrenz mit dem Zusammenbruch des Ostblocks gewinnt (nicht zuletzt ausgehend von der ehemals pazifistischen GRÜNEN Partei) eine Sichtweise auch in der Linken an Einfluss, derzufolge westliche Werte (Demokratie, Minderheitenschutz, ..) auch mit Waffengewalt verteidigt werden müssen.

Wir wollen bei der Veranstaltung linke Positionen zur Wehrpflicht aus dem vergangenen Jahrhundert darlegen und auf dieser Grundlage darüber
diskutieren, wie heute eine linksradikale Kritik der Wehrpflicht aussehen kann.

Die Veranstaltung ist niedrigschwellig, hoffentlich kurzweilig und offen für alle Interessierten.

Kritik der Kulturindustrie – Zwischen Elefanten und Elben

24.02.2026, 19 Uhr, veto
Faszination Mittelerde
Antisemitismus, Rassismus und Utopie im Werk von J.R.R. Tolkien

Es gibt da dieses Epos, mit dem ein verschrobener alter Professor eine nordische Mythologie erzählt. Die Bösen sind dunkel und kommen aus dem Osten, Moderne und Industrialisierung werden als zersetzende Bedrohung dargestellt und Frauen haben so gut wie keine Sprechrolle – außer in den Filmen, wo man halt eine Liebesgeschichte braucht. Trotzdem können sich auch wir (drei Linksradikale zwischen 30 und 50) uns nicht der Faszination von J.R.R. Tolkiens Werk entziehen. Deswegen sprechen wir bei der Veranstaltung über das Leben und die Motive des Autors, bieten einen kleinen Überblick über die Mythologie seines Werks und diskutieren antisemitische und rassistische Motive darin – ohne zu vergessen, dass in der Überhöhung der gemeinschaftlichen, naturverbundenen Idylle des Auenlands auch ein Stück Utopie aufscheint. Letztlich geht es darum, zu begreifen, was uns an Mittelerde fasziniert und wieso auch Techno-Libertäre davon begeistert sind.

26.02.2026, 20 Uhr, veto
Benjamin Blümchen und der Kampf der Klassen
mit Lara Wenzel und Matheus Hagedorny

Benjamin Blümchen ist ein sprechender Elefant im Neustädter Zoo. Immer wieder schlüpft er in neue Rollen und probiert Berufe aus. Doch seine Treue gilt dem Zoo, der sich mehr schlecht als recht über Wasser hält.
Als die Belegschaft mit Streik droht, weiß er weder ein noch aus. Unterstützt er den Arbeitskampf um Zoowärter Karl, Würstchenbräter:in Noa und Verwaltungsmitarbeiterin Anette? Oder hält er sich an Zoodirektor Herr Tierlieb, der ihm sonst seine Zuckerstückchenration kürzen will? Wird Benjamin aus dem Verblendungszusammenhang befreit werden? Das Publikum wird mitentscheiden, wie der Arbeitskampf politisch umgesetzt wird.
Die Parodie „Benjamin Blümchen und der Kampf der Klassen“ zeigt die Konflikte zwischen Arbeit, Kapital und Staat. Sie zerlegt die beliebte Figur aus der Hörspielreihe in ihre Einzelteile und unterzieht sie einem ideologiekritischen Stresstest. Welche liberalen, konservativen und sozialistischen Elemente verstecken sich zwischen den Gehegen? Und wie staatstragend ist der Dickhäuter eigentlich? Diese Fragen erörtern Wenzel & Hagedorny erst szenisch, dann wird ihre Deutung des Elefanten vor dem Publikum zur Diskussion gestellt.

Nächste Ecke Links im veto

Auch in diesem Jahr finden wieder einige Veranstaltungen der Alternativen Einführungstage Erfurt „Nächste Ecke Links“ im veto statt. Kommt vorbei!

21.10.2025, 19 Uhr: Arbeitsverweigerung als politische Strategie

Arbeitsverweigerung ist traditionell eine Möglichkeit, mit den Zumutungen des kapitalistischen Systems umzugehen. Lydia Engel erklärt im Einführungsband »Zwischen Job und Selbstbestimmung« (Münster 2025) die paradoxe Bedeutung von Erwerbsarbeit im (heutigen) Kapitalismus. Anhand ausgewählter Beispiele sowie eigener empirischer Forschung werden individuelle Strategien aufgezeigt, die sich gegen eine Vereinnahmung des Lebens durch die Arbeit wehren. Dabei werden sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen individueller Praxis innerhalb des Bestehenden aufgezeigt.
Gruppen: Bildungskollektiv Biko, Infoladen Sabotnik

23.10.2025: Küfa im veto

16:30 Uhr Schnibbeln & Kochen, 19:00 Uhr Essen

24.10.2025, 19 Uhr: Antisemitismus im Deutschrap

Antisemitismus findet sich in allen gesellschaftlichen Bereichen – auch in der deutschen Hip-Hop-Szene. Dort treffen große Talente auf antisemitische Narrative und Israelhass. Wie sich das äußert und welche Hintergründe dahinterstehen, zeigt der Journalist Schmalle, tätig u. a. für den Humanistischen Pressedienst, Jungle World und seinen Blog Schmalle und die Welt. Sein Fokus liegt auf islamistischen und nationalistischen Strukturen.
Gruppe: Dissens

25.10.2025, 15 Uhr: Wie funktioniert Awareness? Einführung in die Unterstützungsarbeit

Wie funktioniert Awareness? Einführung in die Unterstützungsarbeit

Dieser Workshop richtet sich an Personen, die Awarenessschichten machen oder machen wollen. Sei es auf einer Party, Veranstaltung, einem Festival, in einem Club, auf einem Camp oder woanders. Im Hauptteil des Workshops wollen wir uns zum einen mit dem Unterstützungsgespräch beschäftigen, wie mache ich so ein Gespräch, auf was ist zu achten und zum anderen wollen wir Kleingruppen/ein Fallbeispiel zu intersektionaler Unterstützung machen, wenn Personen von verschiedenen Diskriminierungsverhältnissen betroffen sind. Welche Herausforderungen können intersektionale Unterstützungen haben und wie kannst du die Unterstützung angehen? 

Workshopdurchführende: Ann Wiesental
Gruppe: veto

28.10.2025, 19 Uhr: Immer noch Nebenwiderspruch? – Zustände der feministischen Organisierung in Thüringen 

Immer noch Nebenwiderspruch? – Zustände der feministischen Organisierung in Thüringen 

Linke Gruppen und Akteur_innen stehen aktuell vor vielfältigen Herausforderungen: autoritäre Mobilisierung, die Klimakrise, rassistische und antisemitische Gewalt. Dabei geraten feministische Perspektiven oft in den Hintergrund – und die Defizite in feministischer Organisierung treten umso deutlicher hervor. Darüber wollen wir gemeinsam mit euch ins Gespräch kommen. Wir haben die veto feminists und campus mackerfrei eingeladen, um mit uns ihre Erfahrungen in feministischer Praxis und Organisierung in Erfurt zu teilen. Gleichzeitig möchten wir Raum öffnen, damit ihr eure eigenen Erfahrungen, Wünsche und Kritik einbringen könnt.

Unsere Leitfragen:

  • Welche Rolle nimmt Feminismus innerhalb der Linken ein? Haben wir die Vorstellung von Feminismus als Nebenwiderspruch innerhalb linker Strukturen tatsächlich überwunden?
  • Wie kann feministische Solidarität konkret aussehen – und was brauchen wir dafür?
  • Welche Rolle spielt FLINTA-only Organisierung in diesem Kontext?

Kommt vorbei und bringt eure Perspektiven ein!
Gruppe: Kritik & Intervention

Das gesamte Programm findet ihr hier: https://einfuehrungstage.noblogs.org/programm/

NORMAL – Eine Besichtigung des Wahns

Ein Abend gegen Irrationalismus & instrumentelle Vernunft
von und mit Thomas Ebermann & Thorsten Mense & Flo Thamer

25. April I Doors 19 Uhr – Start 19:30 Uhr
Frau Korte, Magdeburger Allee 179, 99086 Erfurt


Eintritt kostenlos, um eine Spende wird gebeten
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eine Kooperation von: veto, Frau Korte, SJD – Die Falken Erfurt, DGB Jugend Erfurt
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mehr Infos: https://www.vernunftwahn.de/


Pandemie, Klimawandel, Kriege, die Steuererklärung, der Verkehrsstau – Krisen über Krisen, und kein Ende in Sicht. Die einen fliehen in den Verschwörungsglauben oder gleich vollends in den Faschismus. Sie sind die Endzeit-Krieger in Tierkostümen, folgen QAnon bis ins Capitol. Sie sind die Aluhut-Trägerinnen, die gegen Chemtrails und Impfzwang demonstrieren. Es sind die Incels, die Reichsbürger, die Kämpfer gegen den »Great Reset« und den »Großen Austausch«. Die anderen halten am gesunden Menschenverstand fest. Sie verteidigen den Experten gegen den Scharlatan, die Vernunft gegen den Wahn. Sie sind fleißig, halten Nationen und Eigentumsordnung für so natürlich, wie dass der Starke den Schwachen besiegen muss. Sie wissen, dass Kollateralschäden nicht schön, aber unvermeidbar sind: Die Hungernden, die Obdachlosen, die Erfrierenden in jedem Winter, die Ertrunkenen im Mittelmeer. An Horoskope glauben sie nur, wenn die ihnen raten zu tun, was die Gesellschaft von den Menschen ohnehin verlangt. Ihre Vernunft ist eine instrumentelle, Vernunft im Dienste der Unvernunft. Es geht nur um das Wie, nicht um das Wofür. Effektivität ersetzt jeden Gedanken an eine menschenfreundliche Einrichtung der Welt. Erlaubt ist selbst im Denken nur, was nützlich ist. Lebenswert ist nur, wer produktiv ist. Normal ist, wer gesund ist und arbeiten kann. Der Weg von Selbstoptimierung zu Eugenik ist kürzer als das Laufband im Fitnessstudio: instrumentell-vernünftig und mörderisch-wahnhaft zugleich. Das ist die Normalität, die die Demokrat*innen verteidigen, auch gegen die Rechten, die für ein neues, noch unmenschlicheres »normal« eintreten. Und alle feiern den normalen Menschen, den schlichten, hart arbeitenden, der von Intellektuellen, Lifestyle-Linken und Eliten verraten wurde – was bloß dem zynischen Zweck dient, die gesellschaftliche Stellung der Subalternen zu verewigen. Überhaupt ist die Normalität, die in jeder Krise als rasch Wiederherzustellende versprochen wird, eine trostlose Hoffnung. Denn der Normalzustand, »dass es so weitergeht«, ist die eigentliche Katastrophe. Auf Bühne und Leinwand besichtigen wir den ganz normalen Wahn und den Wahn der Normalität, das Pathogene im Normalen, und das Irrationale, das aus diesem erwächst. Es wird so witzig, wie Adornos Stahlbäder lustig sind.

Einführung in die feministische Psychoanalyse – 13.03.25 – 19:30 Uhr

Eine Veranstaltung von kritik & intervention

Das Geschlechterverhältnis ist eingebettet in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Die kapitalistische Gesellschaftsformation ist hierfür ebenso zu nennen wie auch andere Unterdrückungsverhältnisse z.B. Rassismus oder Antisemitismus. Diese Zusammenhänge zu untersuchen ist ein großer Teil linker Theoriebildung. Was dabei teilweise zu kurz kommt ist die Frage danach, wie das Geschlechterverhältnis überhaupt ins Individuum kommt: Wie entstehen überhaupt Heterosexualität und Geschlecht, wenn man davon ausgeht, dass diese keine biologischen Determinationen sind?

Eine mögliche theoretische Tradition auf die man sich zur Beantwortung dieser Frage stützen kann, ist die Psychoanalyse. Die Psychoanalyse scheint zwar seit der zweiten Frauenbewegung etwas aus der Mode gekommen zu sein und ist wie in vielen Bereichen der linken Theoriebildung poststrukturalistischen und postmodernen Ansätzen gewichen, aber hat nach wie vor nicht an Aktualität verloren. Der Zusammenhang psychischer Prozesse mit der Ausbildung einer Geschlechtsidentität bleibt unausweichlich.

Im Vortag „Einführung in die feministische Psychoanalyse“ wollen wir euch Grundkonzepte der Psychoanalyse nach Freud vorstellen und deren Potentiale für eine feministische Analyse des Geschlechterverhältnisses aufzeigen. Der Vortag thematisiert einerseits die grundlegenden Kategorien Freuds zur Ausbildung von Heterosexualität und Geschlecht, als andererseits auch die von Feministinnen geübte Kritik an diesen. In einem kurzen historischen Überblick werden die unterschiedlichen Ansätze zur Weiterentwicklungen und Modifikationen einer psychoanalytischen Geschlechtertheorie dargestellt. Für unsere Veranstaltung braucht ihr keinerlei Vorwissen. Gleichzeitig freuen wir uns auch, wenn einige Psychoanalyse-Kenner_innen zur Diskussion kommen wollen. Ihr seid alle herzlich eingeladen, wir freuen uns auf euch!

Gemeinsam gegen Antisemitismus

28.10.2024, 19 Uhr: NS-Aufarbeitung und Antisemitismus in der DDR

Bis heute strahlt der Mythos des „Antifaschistischen Staates“ auf die DDR. Zwar ist dies sicherlich nicht ganz falsch, blendet aber zentrale Aspekte der Vergangenheitspolitik wie auch der NS-Aufarbeitung aus. Und wird das damals dominante Verständnis von Antifaschismus brüchig wenn man den zugrundeliegenden Faschismusbegriff kritisch beäugt. Wieso der Faschismus mit dem Übergang zum Sozialismus keineswegs „Mit Stumpf und Stiel ausgerottet“ wurde wie es hieß, was das mit staatlichen Legitimationsstrategien zu tun hat und welche Rolle Antisemitismus gespielt haben könnte versucht Lukas Jocher in seinem Vortrag nachzuzeichnen.

06.12.2024, 19 Uhr: Buchvorstellung „Klaviatur des Hasses. Antisemitismus in der Musik“

Foto von Roman Ekimov

Ob im Pop, Punk, Schlager oder in Fangesängen: Antisemitische Stereotype und Weltbilder sind in der Musikwelt weit verbreitet. Öffentliche Debatten zum Thema werden häufig nur oberflächlich geführt und die vielschichtigen Aspekte von Antisemitismus in zeitgenössischer Musik oft nicht erkannt. Das Buch „Klaviatur des Hasses – Antisemitismus in der Musik“ greift diese Thematik auf und zeigt, wie unterschiedlich und wandelbar Antisemitismus in der Musik sein kann. 
Die Herausgeber*innen Maria Kanitz und Lukas Geck stellen das 2022 erschienene Buch gemeinsam mit den Autor*innen Annica Peter und Nico Unkelbach vor. Das Podium nimmt dabei auch die Reaktionen der Kultur- und Musikbranche auf den 7. Oktober in den Blick. Anhand des Buchs besprechen die Gäste Erklärungsansätze für den zunehmenden Antisemitismus und den Umgang damit im Kulturbetrieb.

Die beiden Veranstaltungen werden gefördert von der Amadeu Antonio Stiftung.

Nächste Ecke Links 2024

Es ist wieder soweit. Nächste Woche beginnen die alternativen Einführungstage „Nächste Ecke Links“ in Erfurt.
Auch im veto finden in diesem Rahmen wieder Veranstaltungen statt. Kommt gerne vorbei!

15.10.24, 19:00 Uhr: Zur Verschränkung von Antisemitismus und Sexismus am filmischen Beispiel von ‚Pretty Woman‘

Am Beispiel des Films „Pretty Woman“ wollen wir mit euch zusammen eine gesellschaftstheoretische Perspektive auf die Herrschaftsverhältnisse Antisemitismus und Sexismus diskutieren, sowie deren Verschränkung beleuchten. Wir laden euch ein zu einem Vortrag, für den weder Vorkenntisse erforderlich sind, noch der Film bekannt sein muss. Im Anschluss freuen wir uns auf einen gemeinsamen Bar-Abend und Diskussionen mit euch.

Organisiert von Kritik und Intervention

24.10.24, 15:30 Uhr: Küche für alle

Bei der KüfA (Küche für Alle) retten wir Lebensmittel, kochen gemeimsam und geben veganes Essen gegen eine kleine Spende aus. Somit wollen wir eine Alternative zu verschwenderischen, kommerziellen Restaurants bieten und kollektiv in netter Atmosphäre zum Schnibbeln, Quatschen, Vernetzen und Essen zusammenkommen.

24.10.24, 19:00 Uhr: Intersektionalität für Skeptiker*innen

Intersektionalität ist ’in’, im wissenschaftlichen Debatten und als Forderung sozialer Bewegungen. Aber was bedeutet ‚Intersektionalität‘? Die theoretische Begriffsbestimmung ist umstritten. Die politische Forderung „Das muss intersektional gedacht werden“ wird oft wenig gefüllt und läuft manchmal darauf hinaus, Kategorien und persönliche Betroffenheiten (oder Privilegien) aufzuzählen, ohne den Zusammenhang der ursächlichen Macht- und Herrschaftsverhältnisse zu begreifen.
Die Veranstaltung plädiert dafür, die Forderung nach Intersektionalität als Ansporn für eine differenziertere Gesellschaftskritik und für die Zusammenarbeit sozialer Bewegungen aufzugreifen, statt sich von der manchmal schlagwortartigen Debatte abschrecken zu lassen oder abzugrenzen. Also konkret: Intersektionalität als Forderung aufzugreifen, besser zu verstehen, wie Kapitalismus, Geschlechterverhältnisse, Rassismus und weitere Macht- und Herrschaftsverhältnisse zusammenhängen, und Kämpfe zusammen zu führen.

Organsiert vom Biko und Infoladen Sabotnik

25.10.24, 19:00 Uhr: „It’s not a joke.“ Informationsveranstaltung zur rassistischen und völkischen Mobilisierung im Osten Deutschlands – Vortrag mit Ralf Fischer

Seit zehn Jahren marschiert Pegida durch die sächsische Landeshauptstadt. Zwar verliert der rechtsextreme Aufmarsch an Mobilisierungskraft, in Sachsen gibt es aber weiterhin so viele rassistische Demonstrationen wie nirgendwo sonst in Deutschland. Aber auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern mobilisieren organisierte Neonazis wieder vermehrt gegen Migrantinnen. Dabei erfahren sie ungeahnten Rückenwind durch kommunale Politiker, nicht nur von der AfD. Die Absatzbewegungen von der Merzschen Brandmauer sind kaum zu übersehen. Dies ist unter anderem daran deutlich zu erkennen, dass ein gewisser Teil der ostdeutschen Funktionärsebene innerhalb der CDU sich seit Monaten ernsthafte Gedanken macht wie eine mögliche Koalition mit der AfD am besten in der bundesweiten Öffentlichkeit dargestellt werden kann. Gleichzeitig sitzt in den urbanen Ballungsräumen ein Publikum welches die Verächtlichmachung der Ostdeutschen, wie zu jenen Zeiten als die Mauer noch stand, als „Der Dumme Rest (DDR)“ in Surrogaten einer Unterhaltungsshow wie der ZDF-heuteshow konsumieren und dies mit aktivem Antifaschismus verwechselt.
Der Referent Ralf Fischer (freier Journalist) wird in dem Vortrag versuchen den Spagat zwischen Publikumsbeschimpfung und der unverblümten Beschreibung ostdeutscher Realitäten zu wahren.

Organisiert von dissens

Das gesamte Programm findet ihr hier: https://einfuehrungstage.blackblogs.org/veranstaltungen-2024/