Eine innere Angelegenheit – Über den Staat als unreflektierte Voraussetzung aktueller Krisenlösungsphantasien
Vortrag mit JustIn Monday
Als den Bürgern in der Krise im Herbst 2008 das Bewußtsein vom historischen Charakter ihres Ein und Alles – des Kapitalverhältnisses – drohte, erschien ihnen, insbesondere den deutschen, die Ewigkeit des nationalen Staates als Rettung. Noch heute, viele deutliche Botschaften des nach wie vor auf Entwertung drängenden Werts später, sind sie sich dieser Ewigkeit so gewiß, wie sie sonst glauben, ihr Nierenleiden vom Uropa mütterlicherseits geerbt zu haben. Unterschiede zwischen Keynesianern, die die Krise vermittels deficit spending beheben wollen, und denjenigen, denen die Produktion von Gebrauchswerten ganz unvermittelt nur Mittel zum Zweck der Kapitalakkumulation ist, sind schon länger kaum noch auszumachen. Auch fällt es allen Protagonisten zunehmend schwerer, sich ihre Interessenlagen zusammenzureimen. Jeder Konkurrent, auf den die eigene Pleite abgewälzt werden könnten, entpuppt sich als Teil der Substanz des eigenen Kapitals, die es „zu retten“ gilt. Bei allen nterschieden in den Resultaten der Interessenfindung bestehen aber unübersehbare Gemeinsamkeiten in den Voraussetzungen des handlungsleitenden Krisenbewußtsein, d.h. in den fetischistischen Vorstellungen vom Charakter des gesellschaftlichen Ganzen. Vor Augen steht den Repräsentanten des herrschenden Elends dabei vor allem dessen Kontrollier- und Steuerbarkeit durch den Staat, der als dem Kapitalverhältnis äußere Macht halluziniert wird. Handele dieser nur richtig, sei er in der Lage, die Krise zu meistern. Während jede einzelne Maßnahme inzwischen strittig ist, herrscht hierüber Einigkeit, oder besser: Pfeifen im Walde. Offenkundig ist, dass die darauf aufbauenden Versuche, Wirtschaftspolitik zu betreiben, nur immer wieder neu vor Augen führen, daß die vorausgegangenen Maßnahmen nichts gelöst, sondern den Entwertungsdruck nur in die Zukunft verschoben haben. Das freilich ficht diejenigen nicht an, denen die vergangene Rolle des Staates zur Omnipotenzphantasie geronnen ist. Ihnen erscheint jede weitere drohende
Staatspleite und jeder weitere Börsenkrach als zusätzliches ausgemachtes Fehlverhalten, das die Aufgabe des Staates nur umso größer, und die Gepflogenheiten des deutschen Souveräns nur um so geeigneter macht. – Dagegen soll erörtert werden, inwieweit die auf den autoritären Staat und in Deutschland auf den Nationalsozialismus zurückgehende Einheit von Staat und Gesellschaft weniger eine Entwicklungsmöglichkeit der aktuellen Zustände ist, sondern deren Voraussetzung, die, als Motor vergangener Krisenlösung, inzwischen ihrerseits in der Krise ist.
JustIn Monday (Hamburg), veröffentlicht u.a. in „Phase 2“ und „Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft“ sowie auf beatpunk.org.
Der Vortrag findet am Donnerstag, dem 26.4. um 20 Uhr im veto statt.
Neuere Ansätze der Sozialwissenschaften weisen Körper als etwas aus, das sozial konstruiert ist. Damit wird die Idee von „normalen“ und „abweichenden“ Körpern in Frage gestellt und gleichzeitig ergibt sich eine neue Perspektive auf machtvolle Unterscheidungen wie bspw. männlich – weiblich, weiß – schwarz und behindert – nichtbehindert, die am Körper „festgemacht“ werden und häufig als Grundlage für soziale Ungleichheit dienen. Diese Grundidee der sozialen Konstruktion von Körpern soll dargestellt werden; zudem werden ausschnitthaft Diskurse vom „richtigen weiblichen Körper“ und „Körpergewicht“ in den Blick genommen und analysiert – und natürlich diskutiert.
Das Törtchencafe findet am 18.3.2012 von 14-17 Uhr im veto statt. Thema ist diesmal die Funktion von Knästen und die Möglichkeiten linker Kritik daran. Dazu gibt es veganes Tiramisu, Cookies, Cupcakes, Tee und Kaffee. Wer will kann auch gern selbst Kuchen mitbringen.
In Erfurt gibt es irgendwie keinen queeren Raum. Jedenfalls nicht so, wie wir ihn uns vorstellen könnten. Normative Räume, wo mackerhaftes Verhalten willkommen ist und das Heteronormative unwidersprochen bleibt, gibt es ohne Ende. Wie lässt sich also ein anderer Raum herstellen? Z.B. im Veto… Und… Was ist eigentlich ein queerer Raum? Ist dieser sichtbar? Liegt dieser im Auge der Betrachter_in? Ist er etwas, das Menschen tun? Etwas, das gut vorbereitet sein muss? Ist er beweglich? Braucht er eine bestimmte Umgebung? Ist es wichtig, wo er sich positioniert? Und wer positioniert eigentlich was? Und mit welcher Absicht? Handelt es sich um eine Strategie? Eine Denkbewegung? Mit festgelegten Normen? Und möglichst viel Glitzer? Oder ist ein queerer Raum der Schritt ins Ungewisse?