Die Linke und die Wehrpflicht

03.03. I 19 Uhr I im veto
Die Linke und die Wehrpflicht

2026 steht die Wiedereinführung der Wehrpflicht an. Für junge Menschen steht damit wieder eine Frage an, die für vor 1990 Geborene mit männlichem Geschlechtseintrag in den Ausweisdokumenten biografisch sehr relevant war: Ist man bereit, für Deutschland mit der Waffe in der Hand einzustehen?

Für Linksradikale war die Antwort lange klar: „Die Arbeiterklasse hat kein Vaterland“ (Marx/Engels), insofern gibt es keinen Grund, das Leben für den Staat zu riskieren. Aber manchmal ist die Welt komplizierter: In den 1970er-Jahren wurde bspw. diskutiert, dass revolutionäre Veränderung auch darauf beruht, die Armee auf die eigene Seite zu ziehen und deswegen auch in diesen Teil von Staatlichkeit um Kräfteverhältnisse zu ringen, also in der Armee für linke Positionen zu streiten.

Seit dem Ende der Systemkonkurrenz mit dem Zusammenbruch des Ostblocks gewinnt (nicht zuletzt ausgehend von der ehemals pazifistischen GRÜNEN Partei) eine Sichtweise auch in der Linken an Einfluss, derzufolge westliche Werte (Demokratie, Minderheitenschutz, ..) auch mit Waffengewalt verteidigt werden müssen.

Wir wollen bei der Veranstaltung linke Positionen zur Wehrpflicht aus dem vergangenen Jahrhundert darlegen und auf dieser Grundlage darüber
diskutieren, wie heute eine linksradikale Kritik der Wehrpflicht aussehen kann.

Die Veranstaltung ist niedrigschwellig, hoffentlich kurzweilig und offen für alle Interessierten.

Kritik der Kulturindustrie – Zwischen Elefanten und Elben

24.02.2026, 19 Uhr, veto
Faszination Mittelerde
Antisemitismus, Rassismus und Utopie im Werk von J.R.R. Tolkien

Es gibt da dieses Epos, mit dem ein verschrobener alter Professor eine nordische Mythologie erzählt. Die Bösen sind dunkel und kommen aus dem Osten, Moderne und Industrialisierung werden als zersetzende Bedrohung dargestellt und Frauen haben so gut wie keine Sprechrolle – außer in den Filmen, wo man halt eine Liebesgeschichte braucht. Trotzdem können sich auch wir (drei Linksradikale zwischen 30 und 50) uns nicht der Faszination von J.R.R. Tolkiens Werk entziehen. Deswegen sprechen wir bei der Veranstaltung über das Leben und die Motive des Autors, bieten einen kleinen Überblick über die Mythologie seines Werks und diskutieren antisemitische und rassistische Motive darin – ohne zu vergessen, dass in der Überhöhung der gemeinschaftlichen, naturverbundenen Idylle des Auenlands auch ein Stück Utopie aufscheint. Letztlich geht es darum, zu begreifen, was uns an Mittelerde fasziniert und wieso auch Techno-Libertäre davon begeistert sind.

26.02.2026, 20 Uhr, veto
Benjamin Blümchen und der Kampf der Klassen
mit Lara Wenzel und Matheus Hagedorny

Benjamin Blümchen ist ein sprechender Elefant im Neustädter Zoo. Immer wieder schlüpft er in neue Rollen und probiert Berufe aus. Doch seine Treue gilt dem Zoo, der sich mehr schlecht als recht über Wasser hält.
Als die Belegschaft mit Streik droht, weiß er weder ein noch aus. Unterstützt er den Arbeitskampf um Zoowärter Karl, Würstchenbräter:in Noa und Verwaltungsmitarbeiterin Anette? Oder hält er sich an Zoodirektor Herr Tierlieb, der ihm sonst seine Zuckerstückchenration kürzen will? Wird Benjamin aus dem Verblendungszusammenhang befreit werden? Das Publikum wird mitentscheiden, wie der Arbeitskampf politisch umgesetzt wird.
Die Parodie „Benjamin Blümchen und der Kampf der Klassen“ zeigt die Konflikte zwischen Arbeit, Kapital und Staat. Sie zerlegt die beliebte Figur aus der Hörspielreihe in ihre Einzelteile und unterzieht sie einem ideologiekritischen Stresstest. Welche liberalen, konservativen und sozialistischen Elemente verstecken sich zwischen den Gehegen? Und wie staatstragend ist der Dickhäuter eigentlich? Diese Fragen erörtern Wenzel & Hagedorny erst szenisch, dann wird ihre Deutung des Elefanten vor dem Publikum zur Diskussion gestellt.