15.12., 19:30 Uhr: Lesung von Texten der feministischen Zeitschrift „Die schwarze Botin“

Zwischen 1976-1987 erschienen in Westdeutschland die feministischen Zeitschrift „Die Schwarze Botin“. Im Anliegen falsches und gefügiges Denken zu entlarven, erheben die Autorinnen der schwarzen Botin Einspruch gegen Authentizität, Essentialismus und die Entdeckung der Neuen Weiblichkeit. Sie polemisieren gegen die Institutionalisierung der feministischen Linken und deren Theoriefeindlichkeit und bringen sich in politische Debatten der damiligen Zeit ein; stets verbunden mit dem Anspruch „eigenes Leid auf eine allgemein gesellschaftliche Ebene zu bringen“ (E. Jelinek)

In der Lesung werden Ausschnitte der Texte der schwarzen Botin kontextualisiert und vorgelesen. Anschließend besteht die Möglichkeit zur Diskussion.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Biko, der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und des veto.

Veröffentlichung zu sexuellen Übergriffen und psychischer Gewalt in Erfurt

Triggerwarnung: sexuelle Gewalt

Veröffentlichung zu sexuellen Übergriffen und psychischer Gewalt
ausgehend von Igor aus Erfurt/Thüringen seit 201
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In diesem Text veröffentlichen wir Informationen über Igor, eine
gewaltausübende Person, weil wir weitere Menschen warnen und schützen
wollen. I. entzieht sich bis heute jeglicher Verantwortungsübernahme,
zeigt keinerlei Einsicht und ist auch nach dem Ausschluss und Statement
von den beiden Projekten veto und stattschloss 11/2017 weiterhin
übergriffig. Wir sehen diese Veröffentlichung als wichtigen Schritt, das
gesellschaftlich nahegelegte Schweigen und die Ohnmacht von Betroffenen
zu brechen.
Der Grund zum jetzigen Zeitpunkt für die Veröffentlichung ist die
auffällige Aktivität von I. in diversen politischen Gruppierungen und
die Unwissenheit von Aktivist*innen und dessen Umfeld.

Kurzer Abriss der Geschehnisse von 2016 bis 2017

2016 war I. Gründungsmitglied und Bewohner des stattschloß e.V., einem
selbstverwalteten Hausprojekt sowie aktiv im veto, einem linken und
emanzipatorischen Projekt.
2017 stellte sich heraus, dass I. in diesen Kontexten sexuell
übergriffiges Verhalten und psychische Gewalt bei mehreren
FLINTA-Personen ausübt.
Gespräche mit I. führten zu keinerlei Einsicht und Änderung seines
Verhaltens, es folgten weitere Übergriffe. Nach Bekanntwerden im veto
Umfeld folgte ein sofortiger Ausschluss aus dem Plenum und Entbindung
aller Aufgabenbereiche bis zur Erfassung des Gesamtausmaßes.
Die Reaktion von I. auf den Beschluss, war eine schriftliche
Veröffentlichung mit Schilderungen von sexualisierten Details,
Verharmlosung der Übergriffe, Täter-Opfer-Umkehr sowie Einblicke in
private Beziehungen. I. zeigte sich damit auch weiterhin rücksichts- und
empathielos. Daraufhin wurde I. der endgültige Ausschluss und Hausverbot
im Hausprojekt stattschloß und veto erteilt.

Seit ein paar Jahren wohnt er wieder in einem Hausprojekt, in der Nähe
vom veto und stattschloss in der Magdburger Allee und ist u.a. Teil von

  • einer offenen Werkstatt in Erfurt. Öffentlich tritt er als engagierter
    Feminist auf.

Was nun?

Diese Veröffentlichung zielt darauf ab, Gruppen und Einzelpersonen auf
die Problematik mit I. aufmerksam zu machen und euch eine Grundlage für
ein verantwortungsvolles und solidarisches Miteinander zu bieten. Nicht
nur in linken und emanzipatorischen Räumen, sondern überall: Übernehmt
Verantwortung für euer Handeln und die eurer Strukturen!

  • Seid solidarisch mit Betroffenen!
  • Schließt I. aus euren Gruppen, Räumen und Veranstaltungen aus!
  • Setzt euch mit patriarchaler Gewalt und Macht auseinander!
  • Entscheidet euch, mit wem ihr aktiv sein wollt und wen ihr
    unterstützen möchtet!

Wenn ihr Nachfragen zum Text habt, mehr Informationen benötigt oder
selbst von I. betroffen oder euch darüber unsicher seid und darüber
sprechen möchtet, meldet euch hier: Outcall-erfurt-2023@riseup.net

Zum Schutz der Betroffenen bitten wir euch dieses Statement nicht weiter
zu veröffentlichen!

Solidarische Grüße
veto & stattschloss
Erfurt

30.11.23, 19:30 Vortrag und Diskussion mit Franziska Haug: Eine Kritik an Identitätspolitik und ihren Gegner_innen. Zur Notwendigkeit eines queeren Materialismus und der Rückeroberung des Universellen

Wir freuen uns am 30.11.23 Franziska Haug begrüßen zu dürfen. Hier könnt ihr nachlesen, worum es gehen wird.

Gegenwärtige linke, feministische Debatten teilen sich in Deutschland weitestgehend in zwei Lager auf: Auf der einen Seite steht ein differenzfeministischer, materialistischer oder auch sog. radikaler Feminismus, der ein universelles „Wir“ der Frauen in Anspruch nimmt. Auf der anderen Seite ein intersektionaler, oft postkolonialer Queerfeminismus mit einem Fokus auf diskursive Identitätspolitik. Erstere Position wirft der zweiten vor, das geschlechtliche und körperliche Subjekt gänzlich in diskursiver, materieloser Sprachvermittlung aufzulösen. Letztere Position wirft der ersteren vor, eine problematische Essentialisierung der Frau und des geschlechtlichen Körpers zu betreiben. Diese Spaltung der linken, feministischen Szene zeigt sich aktuell besonders eklatant in Debatten um Sexarbeit, Identität, Privilegien, Kulturelle Aneignung, Gendern, Transgeschlechtlichkeit uvm.
Der Vortrag soll beleuchten, inwiefern der Gegensatz zwischen Identitätspolitik/Queer/Intersektionalität vs. Universalismus/Feminismus/Materialismus zumindest theoretisch ein falscher ist. Demgegenüber versucht der Vortrag ein Modell eines queeren Materialismus/materialistischen Queerfeminismus zu entwickeln. Mit diesem Ansatz soll etwas beleuchtet werden, was in beiden Lagern unterbelichtet bleibt, aber eigentlich queere und materialistische Ansätze miteinander verbinden könnte: der historische Materialismus. Oder anders gesagt: die Vermittlung mit den sozial-ökonomischen Verhältnissen. Das Modell eines queeren Materialismus versucht also eine Gesellschaftskritik zu formulieren, die den Kapitalismus als negatives Universelles adressiert, ihn mit einer Kritik der Geschlechterverhältnisse vermittelt und vor diesem Hintergrund eine politische, solidarische Praxis des Universellen zu bestimmen versucht.

Um gegen die universell schlechten Verhältnisse anzukommen, sucht Franziska Haug nach Allianzen zwischen Queerfeminismus und Materialismus; auch auf die Gefahr hin, dafür deren Widersprüche zu verschärfen. Sie forscht zu Geschlechterfragen, Feminismus, Ökonomiekritik, Materialismus, Antisemitismus.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Biko, des Veto und der Rosa Luxemburg-Stiftung Thüringen.